Über Kamtschatka
«Dieser seltsame Ort - Kamtschatka»
Aus dem Führer «Der russische
Ferne Osten» von Erik Azulay, 1995.
1) Einleitung
Kamtschatka war lange ein Ort, der von strikter
Geheimhaltung umgeben war. Der Besuch der Halbinsel war bis zum
Fall der Kommunistischen Partei der Sowjetunion im Jahr 1990 extrem
strike geregelt. Kamtschatka ist ein Land, das bis heute von seinen
Vulkanen geprägt wird. 160 sind es an der Zahl, 29 von ihnen
sind noch aktiv. Die Landschaft besteht aus Bergen, Tundra, Wäldern
und zerklüfteten Küstenlinien. Es ist ein Märchenland
für Abenteuer-Reisende. Hier kann man Ski fahren, in vulkanischen,
heissen Quellen baden, den Lachsen beim Laichen zuschauen, beobachten
wie Geysire ausbrechen oder Seelöwen in ihrem natürlichen
Umfeld fotografieren. Das Wetter ist feucht und kühl. Aber
auch wenn der Schnee bis im Mai liegen bleibt, sind die Winter
nicht rauh. Es gibt einen geflügeltes Wort in Kamtschatka:
«Die Winter sind nicht sehr kalt, aber die Sommer auch nicht
sehr warm!»
Kamtschatka ist berühmt für die erstaunliche Vielfalt
seiner Tierwelt. Hier gibt es sibirische Schafe, Langhorn- und
Schneerinder, Rentiere, den Kamtschatka-Braunbär und selbstverständlich
Lachse im Überfluss. Lachs und Kaviar sind denn auch die
Haupt-exportprodukte. Das Land ist aber nicht nur wegen seiner
Landschaft einzigartig. Kamtschatka unterscheidet sich vom Rest
Russlands auch durch seine Bevölkerung und deren Einstellungen.
Einheimische sprechen von Kamtschatka als «diesem seltsamen
Ort». Das liegt möglicherweise an der Entfernung zur
Hauptsatdt Moskau
(11.000 Kilometer) oder auch am ständigen Leben im Schatten
der aktiven Vulkane. Noch 1995 ist einer von ihnen ausgebrochen.
In Kamtschatka findet man aber einen offenen Geist.
2) Geschichte
1909 wurde Kamtschatka von der Gegend Primorski getrennt und als eigener Bezirk mit eigener Verwaltung konstituiert. Die Wirtschaft jener Zeit bestand fast völlig aus Fischerei, Pelzjagd und Handel. Die Bevölkerungszahl betrug knapp 11'000. Während des Bürgerkrieges nach der Revolution von 1917 hatten weder die weissen (zaristischen) noch die roten (kommunistischen) Truppen regelmässig Verbände auf der Halbinsel. Dennoch kam es bis 1924 immer wieder zu kleineren Gefechten. Erst 1927, als die letzte japanische Festung aufgegeben wurde, wurde Kamtschatka völlig sowjetisch. Während des Zweiten Weltkrieges, war es ruhig mit Ausnahme der Südspitze der Insel, von wo die sowjetischen Truppen aufbrachen, um die Kurilen-Inseln von den Japanern zurück-zuerobern. Nach dem Krieg wurde Kamtschatka zur militärischen Region. Armee-Städte mit Namen wie "Petropawlowsk-50" sowie Unterseeboothäfen säumten bald die Küsten. Kamtschatka war selbst für die Russen bis 1989 und für Ausländer bis 1990 verbotetens Gebiet. Heute hofft die Halbinsel auf die Zukunft: Die ersten Erfahrungen mit dem freien Markt sind vielversprechend.
3) Kamtschatkas Urvölker
Die Itelmenen, die zurzeit noch 1500 Personen
zählen, werden von den Russen auch Kamtschadels genannt.
Sie sind eines der ältesten Völker Kamtschatkas und
haben eine eigene Sprache. In der Vergangenheit waren sie hauptsächlich
Fischer, sie handelten aber auch mit ihren Nachbarn, den Korjaken,
Rotwildhäute oder andere Güter. Die Itelmenen sind Animisten.
In ihrer Religion spielen die Bären eine besondere Rolle.
Ritualtänze und Musik sind zentral im Leben der Itelmenen.
Heute versuchen sie, ihre Kultur und Geschichte wieder zu beleben.
Die Korjaken bewohnen die Nordhälfte von Kamtschatka. Sie
sind Fischer und Jäger. Sie bewirtschaften ihre Renherden.
Die Männer des Stammes ziehen, sobald sie erwachsen sind,
mit ihren Herden durch die Tundra von Weide zu Weide. Sie kehren
nur während einer kurzen Zeit zu ihren Familien zurück.
Während des Kommunismus wurde versucht, sie in Kollektiven
zu organisieren. Heute gibt es in ganz Kamtschatka noch 7200 Korjaken.
4) Die Hauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatski
Die Stadt, die heute 273.000 Einwohner zählt,
entstand um die Bucht Awatschinskaja. Wegen der Vulkane Awatscha
und Korjakskj in unmittelbarer Nähe, ist die Stadt langgezogen
und dünn, sie schlängelt sich um die Bucht zwischen
den Bergen hindurch. Es gibt zwei Hauptbereiche in Petropawlowsk:
Das Zentrum um die Bucht von Awatschinskaja und den Lenin-Platz
sowie die Region um den Komsomolskaja-Platz. Ersterer ist die
administrative und kulturelle Mitte der Stadt. Dort befinden sich
die Stadt- und Bezirksregierung, das Theater, die Philharmonie
und die verschiedenen Museen. Die wichtigsten Hotels stehen an
der nahe Oktjabrja-Strasse. Sie wird sonst von grossen Wohnsilos
im Sowjetstil beherrscht.
Stadtzentrum. Ein guter Ausgangsort für einen Rundgang
ist der Lenin-Platz, von dem es eine gute Aussicht auf den Hafen
und die Vulkane gibt. Der Platz wurde 1978 gebaut und danach für
die Erstmai-Feier und militärische Paraden verwendet. An
der Leninskaja-Strasse liegen die regionale Leitung Kamtschatkas,
sowie das Theater. Vis à vis der Philharmonie befindet
sich das Kamtschatka-Kino. Selbst wenn Sie keinen Film sehen
wollen, lohnt sich ein Besuch; alleine schon wegen der merkwürdigen
elektronischen Anzeigetafel, welche verkündet, wann welche
Vorstellung läuft. Weiter oben an der Leninskaja steht eine
kleine Kapelle. Sie wurde 1854 zu Ehren der Verteidiger von Petropawlowsk
gegen die Franzosen und Engländer errichtet.
Viele Jahre am 24. August (das Datum der Invasion), wurde hier
eine Kirchenprozession durchgeführt. Weiter oben befindet
sich ein zentrales Verwaltungsgebäude, das auch Gerichtssäle
beherbergt. Über der Straße liegt das Denkmal der "Befreier"
der Kurilen-Inseln. Obgleich die Inseln ein Teil der Region Sachalin
sind, wurde der Angriff auf sie von Kamtschatka aus geführt.
Vier tausend Soldaten starben in der Schlacht um diese strategisch
wichtigen Inseln. Sie wurden in den letzten Tagen des Krieges
von den Japanern zurückerobert (August 1945).
Hügel Nikolskaja. Zurück auf der rechten Seite
der Leninskaja, biegt die Krasintsew-Strasse ab. Sie führt
zum Hügel Nikolskaja, bei dem 1854 die englisch-französische
Landung zurück geschlagen wurde. Von diesem Punkt hat man
eine schöne Ansicht auf die Stadt und die Vulkane. Nahe daneben
steht ein anderes Denkmal zu Ehren der Gefallen in der Verteidigung
von Petropawlowsk. Gebaut wurde es 1879 in St. Petersburg und
zum 25. Jahrestag des Sieges nach Kamtschatka verschifft. Unten
links vom Hügel liegt das Denkmal zu Ehren der dritten Batterie.
Sie verteidigte sich mit fünf Gewehren heroisch gegen sechs
englische Schiffe. An einem schönen Frühlings- oder
Sommertag sind diese Hügel der perfekte Platz für Mittagessen
oder Picknicks, bei denen man den auslaufenden Schiffen zuschauen
kann. Der Ort wird auch "Felsen der Geliebten" genannt.